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Untersuchungsparameter der MoMo-Längsschnittstudie

Die Untersuchung des Motorik-Moduls besteht aus anthropometrischen Messungen, der Erfassung des Aktivitätsverhaltens mittels Fragebogen und aus der Durchführung von sportmotorischen Tests. Im Anschluss daran erhalten ausgewählte Teilnehmer einen Beschleunigungsmesser, um die Dauer und Intensität ihrer körperlichen Aktivitäten über sieben Tage hinweg aufzuzeichnen. Die einzelnen Inhalte lassen sich der folgenden Tabelle entnehmen und werden näher erläutert.

 

4 - 5 Jahre

 6 + Jahre

Anthropometrische Untersuchung

 

 

Motorik-Tests

 

Aktivitätserfassung

Gesundheitsinterview

 

Gewicht und Körpergröße (anthropometrische Messung)

Zur Bestimmung des Body-Mass-Indexes (BMI) und zur korrekten Beurteilung von größen- und gewichtsabhängigen Testergebnissen (beispielsweise ist das Ergebnis beim Standweitsprung stark von der Körpergröße abhängig) ist es nötig diese Körpermaße aufzunehmen und bei weiteren Tests des Motorik-Moduls zu berücksichtigen.

 

Bioimpedanzanalyse (BIA; anthropometrische Messung)

Bei der sogenannten BIA-Messung wird die Zusammensetzung des Körpers analysiert. Mittels jeweils zwei an der rechten Hand und dem rechten Fuß angebrachten Elektroden wird ein elektromagnetisches Feld im Inneren des Körpers aufgebaut. Anhand dieser Messung können die Anteile von Körperwasser, Körperfett, Magermasse sowie deren Unterteilung in Körperzellmasse (z.B. Muskulatur, Organe) und extrazelluläre Masse (z.B. Knochen, Knorpel) erfasst werden.

 

 

Messung des Taillen- und Hüftumfangs

Taillen- und Hüftumfang sind wichtige Kenngrößen der Körpermaße. Aus ihnen werden weitere Kenngrößen berechnet. Als Taillenumfang wird der schmalste Bauchumfang horizontal zwischen letzter Rippe und Becken gemessen. Die Messung des Hüftumfangs erfolgt horizontal in Höhe des maximalen Gesäß- umfangs. Gemessen wird mit einem flexiblen jedoch  nicht elastischen Maß-band (Firma Seca. Modell 201).

 

 

 

Reaktionstest (Reaktionsschnelligkeit)

Die Teilnehmer haben die Aufgabe, schnellstmöglich auf insgesamt 14 Farbwechsel einer Ampel zu reagieren, indem mit der starken Hand ein neben dem Laptop befindlicher Knopf gedrückt wird. Aufgezeichnet und ausgewertet werden die durchschnittliche Reaktionszeit sowie deren Standardabweichung.

 

MLS Linien nachfahren (Auge-Hand-Koordination)

Die Übung Linien nachfahren der "Motorischen Leistungsserie" (MLS) dient der Messung der Auge-Hand-Koordination bei Präzisionsaufgaben. Dabei soll mit einem Griffel schnellstmöglich eine ausgefräste Linie entlanggefahren werden ohne die Seitenwände oder die Bodenplatte zu berühren. Gemessen werden die Zeit bis zum Erreichen der Endplatte, die Anzahl der Fehler und die aufsummierte Fehlerdauer. Diese Werte können zur Ermittlung der Koordination bei Präzisionsaufgaben verwendet werden.

 

MLS Stifte einstecken (Auge-Hand-Koordination)

Von einem Stifthalter sollen 25 Stifte schnellstmöglich in vorgeschriebener Reihenfolge in die Lochungen an der Arbeitsplatte gesteckt werden. Der Stifthalter wird je nach Altersgruppe 20 (4-10 Jahre) oder 30 cm (11-29 Jahre) von der Platte entfernt platziert. Die Übung dient der Überprüfung der Auge-Hand-Koordination unter Zeitdruck.

 

Einbeinstand (Statische Koordination)

Beim Einbeinstand wird die sensomotorische Regulation bei Präzisionsaufgaben überprüft. Dabei stellt sich die Person mit dem bevorzugten Bein auf eine 3 cm breite T-Schiene. Das freie Bein darf während der Übungsdauer (1 Minute) weder den Boden, die T-Schiene noch das Standbein berühren. Jeder Kontakt gilt als Fehlerpunkt. Nach einer Minute wird die Anzahl der Fehlerpunkte notiert und dient der Auswertung.

 

Balancieren (Dynamische Koordination)

Das Balancieren rückwärts auf drei verschieden breiten Holzlatten dient der Überprüfung der Koordination bei Präzisionsaufgaben sowie der Testung des dynamischen Ganzkörpergleichgewichts. Zur Übung wird jeweils einmal vorwärts und rückwärts über die Latten gegangen. Begonnen wird dabei mit der breitesten (6 cm; 4,5 cm; 3 cm). Anschließend hat jeder Teilnehmer zwei gültige Versuche, bei denen die auf dem Balken absolvierten Schritte gezählt werden. Sobald ein Fuß den Boden berührt, gilt der Versuch als beendet. Maximal sind pro Versuch 8 Schritte möglich.

 

Seitiches Hin- und Herspringen (Koordination unter Zeitdruck)

Beim seitlichen Hin- und Herspringen sind innerhalb von 15 Sekunden möglichst viele beidbeinige Sprünge über die Mittellinie einer Teppichmatte zu absolvieren. Jeder Sprung, der beidbeinig ausgeführt wird und bei dem nicht die Mittellinie und Grenzen berührt werden oder die Teppichmatte verlassen wird, zählt als Punkt. Nach einer Pause von einer Minute erfolgt ein zweiter Versuch. Diese Übung misst die großmotorische Koordination unter Zeitdruck. 

 

Rumpfbeugen (Beweglichkeit)

Anhand der Rumpfbeugen wird gemessen, wie weit der Teilnehmer mit den Fingerspitzen bei durchgestreckten Knien unter das Fußsohlenniveau gelangt. Eine Zentimeterskala, die an dem für diese Übung extra angefertigten Podest angebracht ist, dient der Bestimmung des Ergebnisses. Die maximale Endposition muss mindestens 2 Sekunden gehalten werden, um eine Verfälschung des Ergebnisses durch Schwung ausschließen zu können. Auch hier hat der Teilnehmer zwei Versuche. Diese Übung misst die Rumpfbeweglichkeit und Dehnfähigkeit der rückwärtigen Muskulatur.

 

Standweitsprung (Schnellkraft)

Anhand des Standweitsprungs wird die Schnellkraft der Beinmuskulatur bestimmt. Dabei nehmen die Teilnehmer Aufstellung an einer Markierung auf der für diese Übung vorgesehenen Tartangranulat-Matte. Wichtig ist zu beachten, dass der Sprung mit beiden Beinen erfolgen muss und bei der Landung nicht nach hinten gefallen wird. Ansonsten gilt der Sprung als ungültig. Wieder sind zwei gültige Versuche für die Auswertung relevant.

 

Liegestütze (Dynamische Kraftausdauer)

Da es sich bei den Liegestützen um eine Übung zur Bestimmung der Kraft, genauer der Kraftausdauer der oberen Extremitäten handelt, wird diese Übung nicht in der Testbatterie für 4-5 Jahre alte Kinder durchgeführt. Die Liegestütze sollen so durchgeführt werden, dass in Bodenlage die Hände hinter dem Gesäß kurz zusammengeführt werden. Zudem soll eine der Hände in der Stützposition die andere kurz berühren. Die Liegestütze sollen dabei sauber ausgeführt werden, d.h. bei gestreckten Armen sollen nur die Hände und die Füße den Boden berühren. Die gesamte Übung dauert 40 Sekunden. Die geschaffte Anzahl an richtig ausgeführten Liegestützen wird notiert und dient der Auswertung.

 

Sit-Ups (Dynamische Kraftausdauer)

Die Sit-ups dienen ebenfalls der Bestimmung der Kraftausdauer und sind dementsprechend für Kinder bis 5 Jahren nicht geeignet. Die Übung wird im Liegen ausgeführt. Der Teilnehmer liegt auf dem Rücken und hat die Beine angewinkelt aufgestellt. Die Füße werden vom Testleiter durch Drücken auf dem Boden fixiert. Die Fingerspitzen sollten die Schläfe berühren. Es ist darauf zu achten, dass nicht die Arme den Oberkörper aufrichten, z.B. durch Ziehen im Genick. Der Oberkörper soll soweit aufgerichtet werden, dass die Ellbogen die Knie berühren. Zudem darf das Becken den Boden während der Übung nicht verlassen. Die Übung dauert 40 Sekunden, in denen alle gültigen Sit-ups gezählt und notiert werden. 

 

Fahrrad-Ausdauertest (Aerobe Ausdauer)

Der Fahrrad-Ausdauertest misst die aerobe Ausdauerfähigkeit der Teilnehmer. Dabei handelt es sich um einen Stufentest, das bedeutet, dass sich die Belastung nach jeweils zwei Minuten erhöht. Begonnen wird  mit 0,5 Watt pro Kilogramm Körpergewicht und einer Trittfrequenz um die 70 Umdrehungen pro Minute. Der jeweilige Wert wird am Fahrrad digital angezeigt. Abgebrochen wird der Test, wenn der Puls 15 Sekunden lang 190 (bei Probanden bis 10 Jahren) bzw. 180 (ab 11 Jahren) Schläge pro Minute übersteigt oder die Trittfrequenz 20 Sekunden unter 50 Umdrehungen fällt. Natürlich kann der Teilnehmer auch aus subjektiver Erschöpfung den Test jederzeit abbrechen. Bei 4-5 Jahre alten Kindern wird der Test nicht durchgeführt.

 

Aktivitätsfragebogen

Der MoMo-Aktivitätsfragebogen erfasst sowohl die allgemeine körperliche Aktivität in der vergangenen Woche bzw. in einer normalen Woche, als auch Alltagsaktivitäten, Vereinssport, Freizeitsport außerhalb des Vereins sowie körperlich-sportliche Aktivitäten im altersspezifischen Setting (Schule, Kindergarten, Arbeitsplatz). Für jeden dieser Aktivitätsbereiche werden Dauer und Häufigkeit erfragt. Darüber hinaus werden bei Sportaktivitäten (Schulsport, Vereinssport und Freizeitsport) auch die wahrgenommene Intensität sowie die Saisonalität erfasst. Beim Vereinssport und Freizeitsport außerhalb des Vereins werden zusätzlich die entsprechenden Sportarten sowie die Teilnahme an Wettkämpfen abgefragt. Der Fragebogen dient zur Erfassung der gewöhnlichen körperlichen Aktivität ohne sich auf einen speziell zurückliegenden Referenzzeitraum zu beziehen. Zusätzlich werden Einflussfaktoren auf körperliche Aktivitäten wie die physische Bewegungsumwelt und soziale Unterstützung sowie bei Kindern ab 11 Jahren zusätzlich das körperliche Selbstkonzept und die Freude an Bewegung erfragt. Es werden aktuell drei Versionen unterschieden: Kindergartenkinder, Schulkinder/Jugendliche und Erwachsene. Während diese standardisierte Befragung Teilnehmende ab 11 Jahren selbst beantworten, erfolgt das Ausfüllen bei den 4-10-Jährigen zusammen mit ihren Sorgeberechtigten im Interviewverfahren.

 

 

 

 

Akzelerometer

Akzelerometer (Beschleunigungssensoren) messen die auftretende Beschleunigung mittels eines Sensors, der an der Hüfte getragen wird. Mithilfe der Geräte kann objektiv ein Aktivitätsprofil der Teilnehmenden erstellt werden. Die Akzelerometer werden von den Teilnehmenden sieben Tage lang getragen, sie bedürfen keiner Bedienung und können in fast allen Situationen eingesetzt werden.

 

 

Gesundheitsinterview

Um die gesammelten Informationen über Fitness und körperliche Aktivität in Zusammenhang zur Gesundheit zu bringen, findet am Ende der MoMo-Untersuchung ein kurzes Gesundheitsinterview statt.
Im Interview werden chronische Erkrankungen, Stressymptomatik, subjektive Gesundheit und das Vorhandensein von verschiedenen Risikofaktoren (Schlafmangel, Rauchen, etc.) erfragt. Sofern die Teilnehmenden in Begleitung ihrer Sorgeberechtigten sind, wird das Interview gemeinsam mit diesen geführt. Wie immer ist auch hier das Beantworten der Fragen freiwillig.